„Arche-Noah“ als Symbol für Anstrengungen beim Artenschutz

Sie ist einer der großen Publikumsmagnete beim Hessentag und zieht immer auch viele Schulklassen an: Die Sonderschau "Der Natur auf der Spur", die das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz für das Land Hessen den Besucherinnen und Besuchern präsentiert. Die Aufbauarbeiten am Rüsselsheimer Mainufer haben direkt nach Ostern begonnen.

"Zunächst werden die Standplätze der etwa 40 angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmer abgesteckt und dann das Dach der 60 mal 20 Meter großen Zelthalle aufgebaut", sagt Susanne Conrad, die im Umweltministerium für den Hessentag und Nachhaltigkeitsstrategie Hessen zuständig ist. Auf der Freifläche der Sonderschau wird es einen Bauernmarkt mit Wildspezialitäten, Honigwaffeln, Apfelwein und vielen weiteren Produkten geben. Zudem können sich die Besucherinnen und Besucher beim Hessentag an den zahlreichen Infoständen über die Arbeit von Naturschutzverbänden, der Land- und Forstwirtschaft, der Imker, Jäger, Fischer und weiterer Aussteller informieren.

Dass die Sonderschau in Rüsselsheim am Main gezeigt wird, begeistert auch Rüsselsheims Oberbürgermeister Patrick Burghardt. "Die wenigsten Menschen, die nach Rüsselsheim oder in das Rhein- Main-Gebiet reisen, verbinden mit der Region intensive Naturerlebnisse. Und so freut es mich besonders, dass hier ein Stück unserer heimischen Natur und der Flusslandschaften, die das Rhein-Main-Gebiet mit prägen, gezeigt wird. Das Mainvorland ist dafür ein idealer Standort, da er Ausstellung und Flussufer verbindet", erklärt Burghardt. Schon der Name der dicht besiedelten Region verweise ja auf zwei große Flüsse.

Trotz aller Industrialisierung und den zahlreichen Verkehrswegen im Rhein-Main-Gebiet, gibt es im Ballungsraum viele Kleinode der Natur zu entdecken, die grüne Inseln zwischen Straßen, Siedlungen, Ackerflächen und Industriebetrieben sind. Neben Main und Rhein, zählt im weiteren Umkreis auch der Neckar noch dazu, und durch die Flüsse sind in der Vergangenheit die geologischen und geografischen Besonderheiten des Rhein-Main Gebiets entstanden. Hier finden sich unter anderem das größte Naturschutzgebiet Hessens, die Kühkopf-Knoblochsaue, aber auch kleinräumige Lebensräume wie Streuobstwiesen. Sie bieten auf ehemaligen Schwemmsandflächen der Flüsse dem Wiedehopf und dem Steinkauz eine Heimat.

"Im Rahmen der Ausstellung werden zudem viele verschiedene Aktivitäten geboten: Von der Herstellung von Holzobjekten und Nisthölzern über Wippdrechseln und Wissensspielen bis zum Zielwerfen mit der Angel gibt es viel zu erleben. Die Lage des Ausstellungsgeländes am Ufer des Mains inspirierte zu der Idee, das wohl älteste Artenschutzprojekt der Menschheit aufzugreifen und im Dioramazelt gestalterisch umzusetzen: Die Arche-Noah. Dies ist ein Symbol für die Anstrengungen beim Artenschutz des Landes Hessen. Der 30 Meter lange, 6 Meter breite und 3 bis 4 Meter hohe Nachbau wird nicht schwimmen, dafür aber Kulisse für die Naturschätze der Region und die Akteuren im Natur- und Artenschutz sein und somit als Sinnbild für das Streben, unsere Umwelt zu schützen, stehen", so Susanne Conrad.

Die Kosten für das hochwertige Dioramazelt trägt das Land Hessen, um das Ziel zu unterstützen, die heimische Natur erlebbar zu machen. Daher werden beispielhaft Landschaftsbestandteile des Rhein- Main-Gebiets mit besonderer "Naturausstattung" vorgestellt: Flüsse und Altarme, Flussauen, Überschwemmungsflächen im Uferbereich, aber auch Sekundärbiotope wie Kiesgruben sowie eine Vielzahl trockener Lebensräume wie Kiefernwälder auf Sanddünen, Streuobstwiesen auf Schwemmsandflächen alter Flussläufe, Heideflächen unter Stromtrassen und, nicht zu vergessen, die intensiv genutzten Ackerflächen.

Die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz wird ihre Aktivitäten im Dioramazelt in diesem Jahr mit Schwerpunkt auf tierische Bewohner von Ackerlebensräumen richten. Der Wiedehopf, die Feldlerche und der Feldhamster sowie die Bemühungen zu ihrem Schutz werden vorgestellt. Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie wird mit einem nachgestalteten Bachlauf - der Fließrinne - die Bewohner kleiner Fließgewässer erlebbar machen. Als diesjährigen Schwerpunkt ist die Vorstellung eines Meldenetzes für den Feuersalamander geplant, um dann daraus mögliche Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Der Landesverband Hessischer Imker wird die Arbeit des Verbandes, die Imkerei und die Bedeutung von Bienen als Bestäuber darstellen. Ein Bienenstock wird sicher wieder ein Besuchermagnet; ebenso wie die Vorstellung der Kampagne „Bienenfreundliches Hessen“ des Umweltministeriums.

Zurzeit werden am Rüsselsheimer Mainufer aber erst einmal die Grundlagen für die Gestaltung des Dioramazelts geschaffen, also mit viel Erdbewegungen Hügel und Täler geschoben sowie Vorbereitungen für die Standfestigkeit der aufzustellenden Bäume getroffen. Die Pflanzen und weiteres Material zu der Ausstellung waren direkt nach dem Hessentag in Herborn in Rüsselsheim angeliefert und in der Zwischenzeit mit viel Liebe beim Städteservice Rüsselsheim Raunheim gepflegt worden. Schon seit über einem Jahr beschäftigt sich eine Projektgruppe mit der Planung der Sonderschau.

Neben dem Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz als Ausrichter gehören ihr Vertreter der Stadt Rüsselsheim am Main und des Landesbetriebs Hessen-Forst an. Die Organisation und der Aufbau der Ausstellung erfolgt durch das Hessische Forstamt Groß-Gerau in enger Zusammenarbeit mit der Hessentagsstadt. Die „Partnerinnen und Partner der Natur“ werden ihre Standflächen in der letzten Woche vor der Ausstellungseröffnung aufbauen.

Eröffnet wird die Sonderausstellung “Der Natur auf der Spur“ beim Hessentag 2017 am 9. Juni durch die Hessische Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Priska Hinz gemeinsam mit Rüsselsheims Oberbürgermeister Patrick Burghardt um 11 Uhr. Während der Aufbauarbeiten sind Sicherheitsvorkehrungen getroffen, damit es nicht zu Unfällen kommt. Das Aufbauteam bittet um Verständnis, dass sich Interessierte erst zu einem etwas späteren Zeitpunkt tagsüber auf den Wegen im Ausstellungsgelände umschauen können. Nachts und an den Wochenenden ist das Gelände abgeschlossen.