Persönliche Erklärung des Oberbürgermeisters zur Rap-Night

Ich werde morgen der Stadtverordnetenversammlung empfehlen, ihre Beschlussfassung zur geplanten Rap-Night beim Hessentag zu revidieren und die Veranstaltung abzusagen. Ich habe auf Grund der anfangs positiven Rückmeldungen die Situation falsch eingeschätzt und die Dimension persönlicher Betroffenheiten unterschätzt. Daher habe ich mich nun zu diesem Vorgehen entschlossen. In den vergangenen Wochen habe ich mit vielen Bürgerinnen und Bürgern, mit Verbänden und Vertretern der Kirchen gesprochen. In diesen sehr persönlichen Gesprächen ist eine zum Teil außerordentliche tiefe Betroffenheit von den strittigen Texten zum Ausdruck gebracht worden, die mich unheimlich bewegt hat.

Der Hessentag soll die Menschen in unserem Land zusammenführen. Er soll Alteingesessene und Neubürger miteinander in Verbindung zu bringen und eine Heimat für alle Bürgerinnen und Bürger Hessens sein. Er soll nicht spalten. Ich gehe deshalb am Donnerstag mit einer eigenen Vorlage auf die Stadtverordneten zu, um eine Änderung der Beschlussfassung des Stadtparlaments herbeizuführen. Der Grad der Beschwerden, vor allem aber der Ergriffenheit vieler Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner in den vergangenen Wochen hat mich nachdenklich gemacht. Darüber kann man in der Gesamtheit nicht einfach hinweggehen. Unabhängig von der Sache möchte ich damit Schaden vom Hessentag, von der Stadt Rüsselsheim am Main und auch von den engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Hessentagsteam abwenden.

Ich bin immer noch der Auffassung, dass man über Kultur, und sei sie noch so strittig, nicht mit Verboten entscheiden kann. Dies spiegelte sich auch in dem mit großer Mehrheit und fraktionsübergreifend gefassten Beschluss der Stadtverordnetenversammlung wider. Die gebuchten Rapper sind für ihre Alben wiederholt mit dem deutschen Musikpreis Echo ausgezeichnet worden. Sie gingen mehrfach auf Platz 1 der Charts und konnten sich dort, obwohl es sich um eine Nischensparte handelt, erfolgreich platzieren. Andererseits rückte neben den Beschwerden über die Texte jüngst auch die Nähe eines der Künstler zur salafistischen Szene in den Fokus. Sie alle haben die Darmstädter Entscheidung im Bereich des Profifußballs vor Augen. Auch dieser Aspekt hat mich in meiner Entscheidung beeinflusst.
Die Stadtverordnetenversammlung hat einen eindeutigen Beschluss gefasst und die Entscheidung für die Rap-Night damit gestärkt. Der Entscheidungsfindungsprozess war richtig und mündete in einem gefassten politischen Beschluss. Ich empfehle den Stadtverordneten nun aber, diese Beschlussfassung zu überdenken und zu revidieren. Die Stadt Rüsselsheim am Main wird alle Anstrengungen unternehmen, um - sollten die Stadtverordneten der Empfehlung folgen - ein geeignetes Ersatzkonzert für das junge Publikum zu finden.